Geschichte der E-Mobilität
Elektroautos gelten als der Zukunftstrend schlechthin. Was jedoch heute fast keiner mehr weiß: Ihre Geburtsstunde und ihre erste Blütezeit liegen schon über 100 Jahre zurück.
Ferdinand Porsche präsentierte auf der Weltausstellung in Paris ein neuartiges Elektroauto, das er im Auftrag des Wiener Kutschwagenfabrikanten Ludwig Lohner entworfen hatte. Der Lohner-Porsche verfügte über zwei 2,5 PS starke Motoren, die direkt in die Radnaben der Vorderräder integriert waren. Der große Vorteil: weder ein energiefressendes Getriebe noch sonstige mechanische Elemente zur Kraftübertragung waren erforderlich. Das Problem der geringen Reichweite löste Porsche, indem er den Elektromotor mit einem Verbrennungsmotor zu einem Hybridantrieb kombinierte. Mithilfe eines Generators erzeugte der Benzinmotor Strom für die Batterie, die die Elektromotoren versorgte.
Trotzdem schon kurz nach Erfindung des Verbrennungsmotors 1886 die ersten Benzinfahrzeuge auf den Markt kamen, hatte um die Jahrhundertwende das Elektroauto – trotz seiner beschränkten Reichweite – noch die Nase vorn. Denn im Vergleich zu den Benzinmotoren fuhr es fast lautlos und ruckelfrei, und es war einfach und sauber zu bedienen.
Mehrere Gründe führten dazu, dass Elektroautos wieder zunehmend vom Markt verdrängt wurden. Zum einen erfand der Amerikaner Charles F. Kettering 1911 den elektrischen Anlasser für Verbrennungsmotoren, sodass diese nicht mehr mühsam angekurbelt werden mussten. Zum anderen gab es immer mehr Benzintankstellen, und Öl war extrem billig. Außerdem hatte sich dank geschickter Werbung ein Imagewandel vollzogen. Das führte dazu, dass der Markt für Elektroautos bis 1920 stark an Anteilen verlor und die Produktion ab den 1920er-Jahren fast völlig zum Stillstand kam.
Die Erfindung des elektrischen Anlassers für den Otto-Motor bedeutete das schlagartige Aus des Elektroautos. Nach dem Durchbruch der Benziner fristeten elektrisch angetriebene Fahrzeuge nur noch ein Dasein als Nischenprodukt.
Steigende Benzinpreise, Klimaschutzmaßnahmen und enorme Fortschritte in der Batterietechnologie haben dazu geführt, dass Elektroautos heute wieder als zukunftsweisend gelten. Es gibt keinen Hersteller von Rang und Namen, der nicht an der einen oder anderen Version eines E-Autos arbeitet. Dem Elektroauto wird enormes Zukunftspotenzial vorausgesagt. Wie weit die Entwicklung bereits vorangeschritten ist und wie die Zukuft aussehen könnte, zeigt der amerikanische Hersteller Tesla. Sein "Roadster", ein zweisitziger Sportwagen, beschleunigt in 3,8 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Als Stromspeicher dienen fast 7.000 Zellen handelsüblicher Lithium-Ionen-Akkus. Damit kann eine eine Reichweite von ca. 350 km erzielt werden. Der "Tesla Roadster" wird seit Mitte 2008 in Kleinserie produziert.

