1. Österreichisches Strategie-Forum zur Zukunft der Elektro-Mobilität
Auf Einladung des Konferenzunternehmens Business Circle präsentierten Bundesministerin Doris Bures (Bundesministerium für Verkehr, Innovation und Technologie), Dr. Hannes Ametsreiter (Telekom Austria und mobilkom austria), DI Wolfgang Anzengruber (Verbund) und Mag. Brigitte Ederer (Siemens AG Österreich) am 10.-11. Juni.2010 im Rahmen des 1. Österreichischen Strategie-Forums zur Zukunft der Elektro-Mobilität in Wien ihre Strategien für zukünftige Mobilitätslösungen.
Gastgeber Mag. Gerhard Pichler von Business Circle eröffnet: „Das Strategie-Forum Elektro-Mobilität 2010 fungiert als österreichweite Informations- und Diskussionsplattform mit den führenden Entscheidungsträgern und Spitzenvertretern aus der Politik, Wirtschaft und Industrie. Wir präsentieren neue Mobilitätskonzepte der Zukunft und innovative Geschäftsmodelle für den Wachstumsmarkt Elektro-Mobilität.“
Infrastrukturministerin Doris Bures sieht in der Elektromobilität ein enormes Potenzial, und zwar sowohl für ein umweltfreundliches Verkehrssystem als auch für Österreichs Wirtschaft und Beschäftigung. Mit der Ausweitung der Mittel für Forschung und Entwicklung, und jetzt beginnend, für die Marktüberleitung hat sie deshalb drei wesentliche Ziele im Blick. Erstens technologische: Österreichs Unternehmen und Forschungseinrichtungen sollen in der europäischen Top-Liga mitspielen. Zweitens wirtschaftspolitische: Die Auto- und Autozulieferindustrie ist mit 30 Mrd. Euro Wertschöpfung und 175.000 Beschäftigten eine der wichtigsten Branchen im Land. Innovation ist der Schlüssel dafür, dass die heimische Automotive im derzeit stattfinden Strukturwandel nicht nur besteht, sondern gestärkt daraus hervorgeht.
Und schließlich umwelt- und verkehrspolitische Ziele: Die mittel- bis langfristige Umstellung von erdöl-angetriebener Mobilität hin zu Elektromobilität macht das gesamte Verkehrssystem umweltfreundlicher. Zentral ist dabei die intelligente Verknüpfung von Individualverkehr mit dem öffentlichen Verkehr und natürlich, dass der Strom aus erneuerbaren Quellen kommt. "Das Ziel ist also nicht nur, möglichst viele Hybrid- und E-Mobile in Österreich auf die Straße zu bringen, sondern vor allem auch, dass die umweltfreundliche Mobilität von österreichischer Technologie angetrieben wird, und dass wir damit Wertschöpfung und Arbeitsplätze in Österreich schaffen", betont die Infrastrukturministerin.
Weichen für Revolution des Verkehrswesens
Elektromobilität ist die Mobilitätstechnologie der Zukunft. Von 4,3 Millionen Autos, die es derzeit in Österreich gibt, wird voraussichtlich bis 2020 jedes vierte Fahrzeug einen ökologischen, alternativen Antrieb haben. Expert/-innen schätzen, dass in den nächsten zwanzig Jahren schon mehrere Millionen Elektroautos über Europas Straßen summen werden. In diesem technologischen Umbruch liegen ungeahnte Chancen für den Wirtschafts- und Technologiestandort Österreich.
Zu den zentralen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts zählt neben den ökologischen auch der steigende Energiebedarf. Ein weltweites Plus von 45 % bis 2030 ist prognostiziert, Versorgungssicherheit ist gefragter denn je. Ein Szenario, das neue Wege in der Mobilität fordert. Deshalb entwickelt der Verbund gemeinsam mit starken Partnern aus Wirtschaft und Forschung im Rahmen der eigens dafür gegründeten Austrian Mobile Power ein Gesamtsystem für Elektromobilität.
Die Rahmenbedingungen sind klar definiert. Hand in Hand mit dem Steigen des Energieverbrauchs geht die Verknappung der Ölreserven. Alleine der Transportsektor innerhalb der EU-27 benötigt beispielsweise 73 % des in Europa verwendeten Erdöls. Mobilität ist aber nicht nur in Europa zu einseitig vom Rohstoff Öl abhängig. „DerTransportsektor bietet daher das höchste Potenzial für die Substituierung von Erdöl durch erneuerbare Energie“, betont Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber.
Elektroautos im intelligenten Stromnetz der Zukunft
Als weltweit führendes Unternehmen für Energiesysteme und Umwelttechnologien forscht Siemens intensiv auf dem Gebiet der Elektromobilität. Die Arbeit fokussiert sich nicht ausschließlich auf die Anforderungen an das Elektroauto selbst, sondern auch auf den Entwurf des dahinter liegenden intelligenten Stromnetzes (Smart Grid).
Da Elektroautos als Fortbewegungsmittel und mobile Energiespeicher eine Doppelrolle erfüllen, müssen die Energie- und Kommunikationsschnittstellen zum Energienetz standardisiert werden, damit der schnelle Lade- und Rückspeisungsvorgang netzweit koordiniert und abgerechnet werden kann. E-Autos müssen überall eingesteckt, aufgeladen und getankt werden können, daher braucht das Stromnetz Informationen über die vielen E-Autos/Verbraucher, die sich flexibel im Netz verteilen: eine Kommunikation zwischen E-Auto und Stromnetz ist notwendig, sodass E-Autos beispielsweise schnell durch entsprechende Verkehrsmanagementsysteme an die Ladestationen geführt werden können.
Die Siemens-Vision des Smart Grid zielt auf ein neu konzipiertes und verwaltetes Energieversorgungsnetz ab: Der bislang statische Netzbetrieb muss aufgrund vielfältiger neuer Anforderungen eine lebendige Infrastruktur werden, die eine flexible, transparente und schnelle gegenseitige Kommunikation zwischen Erzeuger und Verbraucher ermöglicht. Die wesentlichen Treiber hin zu intelligenten Netzbetriebslösungen sind neben der Elektromobilität die Integration dezentraler Eigenerzeugungsanlagen auf Basis regenerativer, energieeffizienter Erzeugung, die Schaffung von Marktplätzen und Stärkung des Handels, die Senkung der Netzbetriebskosten durch bessere Ausnutzung vorhandener Betriebsmittel, die zu erwartende Steigerung des Verbrauchs elektrischer Energie und die Transparenz des Energiekonsums für den Verbraucher.
Strom tanken an Telefonzellen als Schritt in Richtung intelligenter Energiesteuerung
Anfang Mai hat Telekom Austria den ersten Prototypen einer Telefonzelle mit integrierter Stromtankstelle in Betrieb genommen. Im Laufe des Jahres werden österreichweit insgesamt 30 Stromtankstellen für E-Autos, E-Scooter oder E-Fahrräder entstehen. Hannes Ametsreiter, Generaldirektor von Telekom Austria und mobilkom austria, betont: „Telekommunikation und IT werden einen wesentlichen Baustein für E-Mobility und intelligente Energiesteuerung bilden.“ Und ergänzt: „Telefonzellen als Stromtankstellen sind ein gutes Beispiel, wie die Telekommunikationsbranche einen elementaren Baustein für E-Mobility liefern kann. Auch die Abrechnung des getankten Stromes ist neu und zukunftsweisend. IKT Lösungen werden verstärkt für eine verantwortungsvolle Steuerung der Energieressourcen zum Einsatz kommen und somit interoperable Ansätze ermöglichen."
Elektrofahrzeuge könnten zukünftig etwa auch Elemente von Smart Grids, also intelligenten Stromnetzen sein, bei denen die Stromerzeugung und –speicherung verstärkt dezentral erfolgt und Telekommunikationslösungen für die Ressourcensteuerung und -abrechnung eingesetzt werden. Hannes Ametsreiter ist überzeugt, dass sich die Infrastruktur von Telekommunikations- und Energieversorgungsunternehmen in Zukunft immer enger verzahnen werden. Daraus kann Mehrwert für alle beteiligten Unternehmen, für die Kunden und vor allem aber für die Umwelt entstehen. Die Abrechnungsmöglichkeiten, die Telekommunikationsunternehmen bereits haben, decken viele Anforderungen der Stromabrechnung bei Smart Grids ab, da man hier kleine Einheiten sowohl zeit- als auch volumsbasierend abrechnen kann. Elektrofahrzeuge werden an unterschiedlichen Orten betankt. Mit der mobilen Bezahllösung von paybox können die genutzten Einheiten unkompliziert an die Kunden verrechnet werden.

